Mann in Arbeitsschuhen drückt eine Grabgabel in den Rasen, um den Boden zu lockern

Rasen aerifizieren: Damit die Wurzeln wieder Luft bekommen

Pfützen auf dem Rasen, Breitwegerich und ein modriger Geruch sind Zeichen für einen verdichteten Boden. Beim Aerifizieren (Rasen lüften) stechen Sie Löcher in den Boden, damit Luft und Wasser wieder zu den Wurzeln gelangen.

Aktualisiert am 3 Minuten Lesezeit Von Daniel Nilges

Wann aerifizieren?

März bis Mai, August und September – in der Wachstumszeit, bei erdfeuchtem Boden

Aerifizieren oder Vertikutieren: Was ist der Unterschied?

Beide Maßnahmen werden oft verwechselt, wirken aber an unterschiedlichen Stellen.

AerifizierenVertikutierenVertidrain
ZielBoden lockern, Luft und Wasser zu den WurzelnFilz, Moos und abgestorbenes Material entfernenTiefe Verdichtung lockern
WoWurzelzone, etwa 10 cm tiefOberfläche, wenige MillimeterUnterboden, je nach Gerät deutlich tiefer
Typische GeräteGrabgabel, Hohlzinken-AerifiziererRechen, VertikutiererTiefenlockerer am Traktor
Wann nötigbei verdichtetem Boden, Staunässebei Rasenfilz und Moosauf Sport- und großen Flächen

Wie Rasenfilz entsteht und wie Sie ihn erkennen, lesen Sie im Beitrag Rasenfilz erkennen und entfernen.

Woran erkenne ich einen verdichteten Boden?

Durch Nutzung, besonders bei Nässe, verdichtet sich der Boden nach und nach. Die Poren werden kleiner und Wasser und Luft kommen kaum noch zu den Wurzeln. Lehmige Böden sind besonders anfällig.

Diese Zeichen sehen Sie auch ohne Messgerät:

  • Pfützen und Staunässe nach Regen
  • Zeigerpflanzen wie Breitwegerich, Kriechender Hahnenfuß oder Ackerschachtelhalm
  • schlecht wachsendes, lichtes Gras
  • modriger Geruch und glitschige Erde
  • Ein Spaten oder eine Grabgabel lässt sich nur mit Mühe in den Boden stechen

So aerifizieren Sie den Rasen

Dichte grüne Rasenfläche mit langen Halmen

Sportrasen nach dem Aerifizieren: viele Einstichlöcher und ausgeworfene Erdkerne auf der Grasnarbe
Foto: „Cunningham Ballfields td (2018-11-12) 09 - Aerated Grass“ von Tdorante10, Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 4.0, bearbeitet (Bildnachweise)

Je nach Fläche stehen verschiedene Geräte zur Wahl:

  • Grabgabel: Für kleine Flächen. Sie stechen die Gabel in engem Raster etwa 10 cm tief in den Boden und wackeln sie kurz hin und her.
  • Aerifizierschuhe: Nagelschuhe, die Sie beim Gehen über den Rasen unter die Schuhe schnallen. Einfach, aber weniger wirksam.
  • Hand-Aerifizierer mit Nagelwalze oder Hohlzinken: Hohlzinken stanzen Erdröllchen aus und entnehmen Erde. Das lockert nachhaltiger als reines Eindrücken.
  • Motoraerifizierer: Für größere Flächen. Sie arbeiten schnell, erfordern aber das richtige Tempo. Wer zu langsam fährt oder stehen bleibt, zerstört die Grasnarbe. Bei großen Flächen kann ein Fachbetrieb sinnvoll sein.

So gehen Sie vor:

  1. Zeitpunkt wählen: In der Wachstumszeit, meist im Frühjahr (März bis Mai) oder im Spätsommer (August bis September). Der Boden sollte erdfeucht sein, nicht trocken und nicht nass.
  2. Rasen mähen und bei Bedarf vertikutieren. Rechen Sie das Material ab.
  3. Aerifizieren: Arbeiten Sie die Fläche gleichmäßig ab. Bei Hohlzinken sammeln Sie die Erdröllchen anschließend ab.
  4. Sanden: Streuen Sie danach eine dünne Schicht Sand (siehe unten) und fegen oder rechen Sie ihn ein.
  5. Wässern: Gießen Sie nach Bedarf durchdringend, besonders bei Trockenheit.

Wie oft Sie aerifizieren, hängt von der Nutzung ab. Auf normal genutzten Hausrasen genügt meist ein Durchgang pro Jahr oder alle paar Jahre bei Bedarf, auf stark beanspruchten Flächen öfter.

Sanden nach dem Aerifizieren

Eine dünne Schicht Sand hält die Löcher offen und verbessert auf Dauer die Struktur. Als Richtwerte gelten:

SituationSandmenge
nach dem Aerifizieren mit Schlitzmessernetwa 3 bis 5 Liter pro m²
nach dem Aerifizieren mit Hohlzinkenetwa 4 bis 6 Liter pro m²
nach dem Vertikutierenetwa 2 bis 3 Liter pro m²

Verwenden Sie gewaschenen, reinen Quarzsand mit einer Körnung von etwa 0,3 bis 1 mm. Spielsand ist ungeeignet, weil er Tonanteile enthält und schlecht rieselt. Nach dem Verteilen sollen die Halmspitzen wieder aus dem Sand herausragen. Eine Schicht von mehreren Zentimetern Bausand erstickt den Rasen. Als Obergrenze gilt: Gräser durchwachsen nur etwa 2 cm Sandauflage. Das lässt sich gezielt nutzen, um einzelne Mulden auszugleichen, nicht für eine flächige Schicht.

Rollrasen lüften: nötig oder nicht?

Frisch verlegter Rollrasen braucht in den ersten Wochen keine Belüftung. Verdichteten Untergrund lockern Sie besser vor dem Verlegen, denn danach kommen Sie nicht mehr an die tieferen Schichten. Später, wenn der Rasen eingewurzelt ist, können Sie bei Staunässe und Verdichtung aerifizieren und besanden.

Was hilft dem Boden noch?

Eine organische Düngung fördert das Bodenleben. Geeignet ist feiner, gesiebter Fertigkompost mit RAL-Gütezeichen, den man alle drei bis fünf Jahre mit etwa 3 bis 5 Litern pro m² ausbringen kann. Welche Dünger wann passen, steht im Beitrag Rasen düngen. Bei sehr großen Flächen mit tiefer Verdichtung, etwa auf Sportplätzen, kommt zusätzlich die Tiefenlockerung mit Vertidrain infrage.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Aerifizieren und Vertikutieren?

Beim Aerifizieren lockern Sie den Boden und die Wurzelzone, beim Vertikutieren entfernen Sie Filz, Moos und abgestorbenes Material an der Oberfläche. Beides ergänzt sich, ersetzt sich aber nicht.

Wann sollte ich aerifizieren?

In der Wachstumszeit, meist im Frühjahr (März bis Mai) oder im Spätsommer (August bis September). Der Boden sollte erdfeucht sein, weder trocken noch nass.

Wie viel Sand bringe ich nach dem Aerifizieren aus?

Etwa 3 bis 5 Liter pro Quadratmeter, bei Hohlzinken eher 4 bis 6 Liter. Verwenden Sie gewaschenen Quarzsand, keine dicke Schicht und keinen Bausand.

Muss ich Rollrasen lüften?

Frisch verlegter Rollrasen braucht in den ersten Wochen keine Belüftung. Ist der Untergrund verdichtet, lockern Sie ihn besser vor dem Verlegen. Später können Sie bei Verdichtung aerifizieren.

Wie erkenne ich einen verdichteten Boden?

Typisch sind Pfützen nach Regen, schlecht wachsendes Gras, Zeigerpflanzen wie Breitwegerich und ein modriger Geruch. Ein Spaten lässt sich schwer in den Boden stechen.

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